1×1 für sexuelle Zufriedenheit: Mehr ist nicht immer besser!

In den Medien wird häufig die Frage gestellt: Stimmt es, dass häufigerer Sex mit größerem Wohlbefinden verbunden ist? Macht häufigerer Sex glücklicher? Die Antwort ist jein – Es braucht ein Mindestmaß (1-mal pro Woche). Anderseits könnte täglicher Sex könnte in Stress ausarten.

Überblick

Ein aktives Liebesleben steigert das Wohlbefinden

Sexuelle Zufriedenheit und sexuelle Häufigkeit als Diskussionsthema: Es hält sich in den Medien die Behauptung, dass man sich glücklicher fühlt, je mehr Sex man hat. Anhand von drei Studien mit insgesamt 30.645 Teilnehmer*innen zeigen Muise et al. (2015), dass der Zusammenhang zwischen sexueller Häufigkeit und Wohlbefinden am besten durch einen kurvenförmigen (und nicht durch einen linearen) Zusammenhang beschrieben werden kann. Steigt die sexuelle Häufigkeit über einmal pro Woche, steigt das Wohlbefinden nicht mehr weiter an. Zudem ist der Zusammenhang nur für Personen in romantischen Beziehungen signifikant. Dabei wies die sexuelle Häufigkeit einen kurvenförmigen Zusammenhang mit der Beziehungszufriedenheit auf, welche den Zusammenhang zwischen sexueller Häufigkeit und Wohlbefinden vermittelte. Bei Menschen in Beziehungen ist die sexuelle Häufigkeit nicht mehr signifikant mit dem Wohlbefinden verbunden, wenn die Häufigkeit deutlich über ein bis dreimal pro Woche steigt.

Das heißt, dass die Zufriedenheit mit der Partnerschaft und dem Liebesleben nicht mehr weiter ansteigt, und bei einer Frequenz von zwei bis dreimal die Woche gleichbleibt. In Übereinstimmung mit den theoretischen Überlegungen legen die aktuellen Ergebnisse nahe, dass ein Grund, warum eine höhere Sexualfrequenz mit einem höheren Wohlbefinden von Menschen in Beziehungen damit zusammenhängt, dass häufigerer Sex (ca. einmal pro Woche) mit einer größeren Beziehungszufriedenheit verbunden ist.

Was die Alleinstehenden betrifft, so fanden Muise et al. (2015) in Studie 1 keinen linearen oder kurvenförmigen Zusammenhang wie bei Personen, die in einer romantischen Beziehung leben. Wahrscheinlich gibt es wichtige Faktoren, die den Zusammenhang zwischen Häufigkeit von Sex und Wohlbefinden bei Alleinstehenden beeinflussen. Einen guten Überblick zu Forschungen über Gelegenheitssex und Wohlbefinden findet man bei Vrangalova (2015).

Sexuelle Zufriedenheit und Beziehungsstatus

Die Ergebnisse zeigten in der Tat einen signifikanten linearen Zusammenhang zwischen sexueller Häufigkeit und Glückserleben (Wohlbefinden). Berücksichtigt man in den Berechnungen den Beziehungsstatus in Form einer Moderatorvariable zeigen sich deutlich höhere Werte in romantischen Liebesbeziehungen. 

Die Ergebnisse stimmen sowohl bei jüngeren und älteren Menschen, für Männer und Frauen und für Menschen in längeren und kürzeren Ehen überein.

Fazit: Eine wichtige Voraussetzung für ein erfülltes Liebesleben ist daher eine stabiler Beziehungsstatus, z.B. in Form einer romantischen Liebesbeziehung, sowie regelmäßige sexuelle Aktivität

Sexuelle Zufriedenheit, sexuelle Häufigkeit, Beziehungsstatus
Sexuelle Häufigkeit prognostiziert größere Zufriedenheit. Mehr ist nicht immer besser!

Glück und Wohlbefinden durch ein erfülltes Liebesleben!

Der Zusammenhang zwischen Einkommen und Lebenszufriedenheit sowie zwischen einem erfüllten Liebesleben und Lebenszufriedenheit lässt sich in sogenannten Effektgrößen berechnen. Als Maßstab für Glück und Wohlbefinden wurde die Lebenszufriedenheit gemessen. Als erstes wurden die Effektgrößen für das Liebesleben berechnet: Es wurden zwischen Personen unterschieden, die weniger als einmal im Monat Sex zu haben, und solchen, die durchschnittlich einmal pro Woche Sex haben. Der zweite Vergleich wurde zwischen Personen, die ca. €15-20.000 pro Jahr zu verdienen, mit solchen die zwischen € 40-60.000 durchgeführt. Wie sich zeigte, ist die Steigerung der Lebenszufriedenheit und des Wohlbefindens, durch die Stärkung des Liebeslebens (also durch die Steigerung der sexuellen Aktivität) weiteraus größer als der Anstieg des Wohlbefindens, der sich ergibt, wenn man € 40.000 (oder mehr) statt €20.000 pro Jahr verdient. Manchmal hilft ein kleines Rollenspiel einer Beziehung wirder auf die Sprünge.

Fazit: Durch ein erfülltes Liebesleben lässt sich die Lebenszufriedenheit sehr einfach steigern.

Einige Forschungsdetails: Zufriedenheit mit durchschnittlicher Sexualfrequenz

Obwohl die Ergebnisse von drei Studien mit über 30.000 Teilnehmern eindeutig darauf hindeuten, dass der Zusammenhang zwischen sexueller Häufigkeit und Wohlbefinden kurvenförmig ist, ist jedoch nicht klar, warum die sexuelle Häufigkeit bei einer Häufigkeit von mehr als dreimal pro Woche nicht mehr mit dem Wohlbefinden verbunden ist. Es ist auch möglich, dass sich Paare zufrieden fühlen, solange sie denken, dass sie so viel Sex haben, wie es für Paare mit ihrem Beziehungsstatus und ihrer Beziehungsdauer als durchschnittlich gilt.

In Übereinstimmung mit dieser Möglichkeit ergab eine Studie, dass die Zufriedenheit positiv mit der eigenen Häufigkeit verbunden war aber negativ mit der tatsächlichen sexuellen Häufigkeit der Gleichaltrigen (Wadsworth, 2014). Aus dieser Studie geht jedoch nicht hervor, ob die Menschen die durchschnittliche sexuelle Häufigkeit kennen und sich besser fühlen, wenn sie glauben, dass sie bei oder über dieser Frequenz liegen. Es ist auch möglich, dass der Punkt, an dem Sex nicht mehr Sex nicht mehr mit größerem Wohlbefinden assoziiert wird, je nach demografischen Faktoren oder individuellen Unterschieden, wie z. B. der idealen Sexualfrequenz einer Person. Obwohl der kurvilineare Effekt in den vorliegenden Studien nicht durch Alter, Geschlecht oder Beziehungsdauer moderiert wurde, ist es möglich, dass der Punkt, an dem es keinen Zusammenhang zwischen sexueller Häufigkeit und Wohlbefinden nicht mehr je nach diesen Faktoren unterschiedlich sein könnte.

Es ist wichtig anzumerken, dass die vorliegenden Studien alle einen Zusammenhang zwischen natürlich vorkommender sexueller Häufigkeit und Wohlbefinden untersuchten.

Daraus können keine kausalen Behauptungen aufstellt werden, sondern finden vielmehr Tatsächlich finden wir Hinweise auf Top-down- und Bottom-up-Effekte für den Zusammenhang zwischen sexueller Häufigkeit und Wohlbefinden.

Zukunftsideen für experimentelle Forschung

Experimentelle Forschung könnte die Richtung dieses Effekts nachweisen. Doch in einer aktuellen Studie berichteten Paare nicht über ein größeres Wohlbefinden, wenn sie angewiesen wurden, ihre Sexualfrequenz zu verdoppeln. Die Autoren vermuteten, dass die Anweisung, die sexuelle Häufigkeit zu erhöhen, die intrinsische Motivation der Partner zum Sex und daher den Sex weniger genussvoll machte. Die Paare in dieser

Studie hatten jedoch bereits etwa einmal pro Woche Sex (d. h. 5-mal pro Monat) Sex. Ein interessanter Ansatzpunkt für wäre es, zu untersuchen, ob eine Erhöhung der Sexualfrequenz Paaren zugutekommt, die weniger häufig als einmal pro Woche Sex haben. Die Studie von Loewenstein et al. macht jedoch deutlich, wie schwierig es ist, experimentelle Arbeiten im Bereich der Sexualität durchzuführen.

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Fazit: Sex ist wie Geld

In der Erklärung von John Updike heißt es, dass es grenzenlose Vorteile hat, Sex zu haben (und mehr Geld zu verdienen), da man nie genug davon bekommen kann. Die Forschung zeigt jedoch, dass eine höhere sexuelle Frequenz zwar mit einem größeren Wohlbefinden verbunden ist, aber mehr nicht immer besser ist. Stattdessen kann sagen:

Sex ist wie Geld sein. Wenn man (zu) viel hat ist man nicht (unbedingt) glücklicher. Nur zu wenig macht wirklich unglücklich.

Quellen:

Muise, Amy & Schimmack, Ulrich & Impett, Emily. (2015). Sexual Frequency Predicts Greater Well-Being, But More is Not Always Better. Social Psychological and Personality Science. 7.

Vrangalova, Zhana. (2014). Does Casual Sex Harm College Students’ Well-Being? A Longitudinal Investigation of the Role of Motivation. Archives of sexual behavior. 44.

Wadsworth, Tim. (2014). Sex and the Pursuit of Happiness: How Other People’s Sex Lives are Related to our Sense of Well-Being. Social Indicators Research. 116.

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