5 Fragen zu Slow Sex

Ähnlich wie bei der Slow Food Bewegung steht beim Slow Sex das bewusste Wahrnehmen des Hier-und-Jetzt im Vordergrund. Das Ziel von Sex ist daher nicht mehr die Lustbefriedigung inkl. Orgasmus per se, sondern das bewusste, achtsame Erleben des sexuellen Akts.

Überblick

Slow Sex

Slow Sex ist wie Slow Food, Slow Travel usw. im Bett. Wenn man den Begriff „Slow Sex“ zum ersten Mal hört, klingt das vielleicht nicht so prickelnd. Der Begriff wird eher mit langsamen Kuschelsex oder Faultier-Erotik in Zusammenhang gebracht. Sex wird von den meisten mit Lust, Begierde, Befriedigung und Orgasmus – noch besser multiple Orgasmen – in Zusammenhang gebracht. Doch hinter dem Begriff „Slow Sex“ versteckt sich kein Marketing-Gag, sondern nicht weniger als ein Paradigmenwechel im Liebesleben.

Weg vom schnellen, heißen Sex mit dem Ziel von Erregung & Orgasmus.

Hin zu langsamer, gefühlervoller Achtsamkeit im Hier-und-Jetzt. Hin zur sexuellen Ekstase.

Paradigmenwechsel durch Slow Sex
Slow Sex: Achtsam im Hier-und-Jetzt
Slow Sex: Achtsam im Hier-und-Jetzt

FAQs zu Slow Sex

Im Folgenden haben wir die 5 wichtigsten Fragen zum Slow Sex zusammengefasst

Was ist Slow Sex?

Der Begriff „Slow Sex“ geht auf die Südafrikanerin Diana Richardson zurück. Sie hat zu den Themen Liebe, Meditation und Tantra zahlreiche Bücher geschrieben, und mit „Slow Sex“ einen Bestseller gelandet. Ihre Kernaussage darin lautet: Sex ohne Stress, mit viel Zeit und Aufmerksamkeit für den anderen.
Slow Sex ist auch die Antwort auf viele Trends aus anderen Bereichen wie Slow Food, Slow Travel oder Slow Fashion. Wir leben in einer Zeit in der wir die Ganze Zeit etwas leisten müssen, wir müssen „performen“. In der Arbeit zählt meist nur das Ergebnis und nicht mehr der Prozess wie man dahin gekommen ist. Die meisten haben sprinten von einen „Meeting“ zum nächsten und erledigen einen „Task“ nach dem anderen. Am Ende des Tages zählt nur wer mehr geleistet hat. Dies ist meistens zu wenig, was man mit noch mehr Einsatz zu kompensieren versucht.
Oftmals wird diese Einstellung des Überengagement (Overcommitment) als normal hingenommen, und auf den Alltag übertragen. Mit den Kindern muss man möglichst viele Aktivitäten machen: Museum, Zoo und Kindertheater besuchen, Fußball-, Klavier und Schwimmkurs, usw. Nur wer möglichst viel, ach quatsch es sind die eigenen Kinder:

Nur wer ALLES erledigt ist ein guter Elternteil!“

Ich würde an dieser Stelle für „Slow parenting“ plädieren. Man muss als Elternteil nicht „performen“. Es wäre viel besser die Qualitätszeit mit den Kindern achtsamer zu verbringen. Achtsam bedeutet in diesem Zusammenhang im Hier-und-Jetzt sein: Was braucht mein Kind jetzt im Moment?

Diese Achtsamkeit beginnt bei mir als Elternteil selbst. Es wäre daher gut, wenn ich keine Probleme aus der Arbeit, Freizeit, Alltag oder der Partnerschaft zum anderen Elternteil auf die Beziehung zu meinem Kind übertrage. Manchmal ist der Sex ist in der Beziehung eine schon eingespielte Routine geworden und irgendwie nicht mehr so richtig spannend und befriedigend.
Im Idealfall schaffe ich es aus den anderen Lebensbereichen Energie zu schöpfen. Und genau hier setzt Slow Sex an. Es geht dabei nicht um bestimmte Techniken oder Erfolgsziele. Es geht einzig und allein um die Einstellung zum sexuellen Akt. Ein Orgasmus ist nicht mehr das primäre Ziel. Ein Orgasmus kann passieren – muss aber nicht. Genau das ist der Paradigmenwechsel.
Im Vordergrund stehen das bewusste Einlassen auf den/die PartnerIn, auf die Fokussierung auf das „was gerade ist“. Daher braucht es vor allem Zeit, um abzuschalten, anzukommen, zu entspannen, loszulassen und vor allem sich einzulassen.

Was braucht man für Slow Sex?

Für Slow Sex braucht man vor allem Zeit. Manche Ratgeber (und auch Diana Richardson) gehen von mindestens zwei bis drei Stunden aus. Speziell zu Beginn dürfte es dadurch zu einer Überforderung kommen. Diese Zeitangeben sind eher als Idealvorstellung zu verstehen. Es sollte keinesfalls als Mindestanforderung definiert werden, da man sonst im gleichen Gedankenmuster hängen bleibt. Der Unterschied ist marginal.
Anstatt „Ich muss einen Orgasmus erreichen“ wird „Ich muss zwei Stunden Sex machen“ als Leistungskriterium eingezogen. So kommt man vom „performen müssen“ nicht weg. Hilfreich ist eine Portion Gelassenheit: „Es dauert so lange es dauert. Es ist vorbei, wenn es vorbei ist.“
Vorteilhaft sind natürlich auch Neugier auf etwas Neues und Offenheit. Es geht um die innere Einstellung, sich auf Slow Sex einzulassen. Schnell (sic) mal ausprobieren wird nicht funktionieren.  Slow Sex soll vor allem jeden Druck aus dem Liebesspiel nehmen. Bei der Idealvorstellung von perfektem Sex ist ein (multipler) Orgasmus scheinbar Pflicht, je intensiver desto besser. Beim Slow Sex bekommt ein Orgasmus eine andere Zuschreibung: Ein Orgasmus kann sein, muss aber nicht. Und: Ein (männlicher) Orgasmus, ist nicht automatisch das Ende. Slow sex setzt da ganz anders an: Der Höhepunkt kann dabei sein, muss er aber nicht.
Slow Sex kann daher eine gute Variante sein, festgefahrene Sexmustern in der Beziehung neu zu definieren.
Wer schnellen, heißen Sex macht, fühlt „nur“ Erregung.Wer langsam Liebe macht, fühlt Ekstase.

Was ist das Ziel von Slow-Sex?

Der entspannte, achtsame Genuss von Sex und die wirkliche Hingabe an den/die PartnerIn sind die wichtigsten Ziele von Slow Sex. Es geht um die Achtsamkeit im Liebesspiel, die Fokussierung auf das was man gerade tut. Sich gegenseitig berühren und auf den anderen /die andere einlassen, abschalten von den (beruflichen) Alltagssorgen und ohne weitere Nebeneinflüsse und Ablenkungen. Es geht um ein Neukennenlernen des eigenen und des anderen Körpers. Die feineren Nuancen von sexueller Erregung und Sinnlichkeit sollen wiederentdeckt werden.
Ein Orgasmus ist beim Slow Sex nicht verboten, ist er nicht mehr das (angestrebte) Ziel Die Vereinigung ist schon das Ziel, bei der man (im Idealfall) zwei, drei Stunden so liegenbleiben. Bei jedem Mann wird irgendwann der Penis schlaff und rutscht aus der Vagina. Dann soll man ihn einfach wieder hineinschieben (doch, das geht!). Vielleicht muss man dazu die Stellung wechseln.

Was sind die Vorteile von Slow Sex?

Slow Sex nimmt Druck von beiden Seiten. Slow Sex zielt daruf ab, dass sich die Erregungkurven von Mann und Frau angleichen.

Männer können sich entspannen, weil sie nicht mehr die ganze Zeit Hart sein müssen. Zudem fällt der Stress, weg ob man zu früh, zu spät oder gar nicht kommt, da sond das Leistungskriterium nicht erfüllt ist. Wie wir bereits gelernt haben: Am bsten gar nicht, und wenn doch: auch okay!

Frauen können sich ebenso entspannen, weil der Orgasmusstress wegfällt. Sie müssen mehr nicht auf einen Orgasmus binnen kurzer Zeit hinarbeiten. Beim konventionellen Sex verspannen sich viele Frauen, um auf Knopfdruck erregt zu sein. Durch die Verspannung spürt man weniger und kann auch (nicht wirklich) achtsam sein. Die neue Devise lautet daher: Weg von der Verspannung, hin zur Entspannung

Was heißt Achtsamkeit beim Slow Sex?

Achtsam zu sein, bedeutet in den Körper hineinspüren und hinein fühlen:  wo fühlt es sich  verkrampft an, welcher Körperteil ist gerade angespannt und welcher ist schon sehr entspannt. Es geht dabei um den ganzen Körper und nicht nur die Geschlechtsregionen. Schulter, Nacken, Rücken zählen ebenso dazu wie Füße und Beine. Dadurch lässt sich die Sensibilität unseres Körpers erhöhen, So sind wir auf dem besten Weg, nach ein paar Stunden Slow Sex diesen Zustand zu erreichen, den Slow-Sex-Anhänger als unglaublich befriedigend beschreiben. Und nur mit Achtsamkeit, sagt Richardson, können wir unseren beim Sex nervigen Verstand ausschalten, der uns statt an den Liebsten an die Steuererklärung oder das nächste Meeting denken lässt.

Lesetipps

Richardson, Diana (2011) Slow Sex: Zeit finden für die Liebe.

Richardson, Diana & Michael (2016) Zeit für Gefühle: Die Krux mit den Emotionen in der Partnerschaft. Jenseits von Scham und Rollenklischee.

Zurhorst, Eva-Maria (2019) Soulsex: Mit Lust die Liebe neu entdecken

Available for Amazon Prime